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 Van Morrison

Was soll man groß zu einem Mann sagen, der seit 40 Jahren auf der Bühne steht und schon mindestens 36 Soloalben herausgebracht hat? Außer vielleicht, dass es dann endlich mal Zeit wird, sich ein Konzert von diesem Herren anzusehen. Wen ich meine? Nun, bei diesem umfangreichen Backing-Catalogue (wie es ja neudeutsch heißt) fallen einem spontan zumeist zwei Künstler ein: Bob Dylan und Van the Man. Aufgrund meiner Ambivalenz zu Erstgenanntem, war es ein besonderes Erlebnis endlich einmal Van Morrison live zu sehen und zu erleben.

 

Van Morrison, Berliner Tempodrom, 19.05.2006

 

magic time, while talk is cheap

 

Im Vorprogramm spielte ein Deutscher (Künster)Namens „Baum“, der englisch sang und stilistisch in die Blues-Richtung ging. Annehmbar, jedoch bekamen die Wenigstens diese Einstimmung mit, da er schon 19.50 Uhr endete und der Saal noch nicht mal zu einem Drittel gefüllt war. Wie im Radio angekündigt, begann dann die Show pünktlich, was wohl auch den einen oder anderen Konzertbesucher überrascht haben wird. [Obwohl der typische VM-Fan das ja wissen sollte.] Jedenfalls spielte erst die Band ein Stück alleine und der Gitarrist sang, bevor er ihn ankündigte: „Mr. Van Morrison“.

 

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Unter normalem Applaus betrat nun Van Morrison die Bühne des bei weitem nicht ganz gefüllten Zeltes und sang (relativ unspektakulär) keep mediocrity at bay runter. An dem geringen Einsatz von Mimik und Gestik sollte sich im Verlauf des Konzertes nicht viel ändern. Bei dieser Art der Unterhaltung stört diese Minimalistik aber auch nicht. Obwohl mir Van Morrison eher introvertiert vorkommt, gab es ein kleines Zugeständnis an die Fans, denn die für ihn typische verspiegelte Sonnenbrille entfiel zu Gunsten einer normalen Brille. So kennt man ja auch nicht viele Photos von ihm.

Nun folgte stranded und es gab ein interessantes Phänomen, welches sich durch das gesamte Konzert ziehen sollte. Die ersten paar Takte des jeweiligen Songs (hier also stranded) waren angeklungen und nach den ersten Zeilen des Stückes wurde es (endlich) vom Publikum erkannt und je nach Beliebtheit mehr oder weniger lautstark beklatscht. War für mich ein komisches Erlebnis, da ich die immer wiederkehrenden Spätzündungen der Fans in dieser ausufernden Form noch nie auf einem Konzert erlebt hatte. Lag hoffentlich nur daran, dass er aktuell in Country-Gefilden unterwegs ist und somit die Stück allesamt etwas anders als im Original klangen und gegenwärtig viele Geigen- und Steel-Guitar-Passagen enthalten, welche die Stücke markant prägen and in einem ganz neuen Gewand erscheinen lassen.

 

Die ersten Solis wurden bei magic time gespielt, wobei sich hier für mich die Berichte bewahrheiteten, dass er zumeist mit einer knappen Geste den jeweiligen Musiker in den Mittelpunkt stellt. Er selber griff nach seinem Opener auch wieder zur Mundharmonika (wie später auch mal zum Saxophon!). Apropos magic time. Van Morrison ist zwar nicht seiner Zeit voraus (wenngleich er sich immer wieder neu erfindet), jedoch ein mehr als konstanter Arbeiter. Denn obwohl er noch immer unter dem Titel „Magic Time Tour“ unterwegs ist, ist mittlerweile schon sein nächstes Album „pay the devil“ erschienen, von dem er drei Stücke im Programm haben sollte. [Auktorialität ist doch was schönes *g*.] Das andere magische war, dass, als die Lichter danach angingen, der Saal total gefüllt war, als das Konzert doch ausverkauft, die Fans halt nur z.T. etwas spät dran waren. Wie dem auch sei.

Nach magic time nuschelte er etwas ins Mikro, was man so gut wie nie verstand; hier stellte es sich im Nachhinein als Titelankündigung zu der tollen neuen Nummer your cheatin’ heart herausstellte. Okay, ist auch ein Cover (dieses Mal von Hank Williams), aber durch diese innige Vortragsweise vanmorrisoniert, dass man ihn den Inhalt des Stückes durchaus abnahm.

 

Nun folgte gleich ein nächster Höhepunkt, als er nämlich seinen Special Guest, die Saxophonistin Candy Dulfer, unter lautem Beifall des Publikums auf die Bühne bat und sie sich nicht nur gut in die sechsköpfige Band einfügte, sondern gleich bei der schnelleren Nummer naked in the jungle ein tolles Solo spielte (ebenso wie der Geiger). Viele weitere dieser Szenen sollen an diesem Abend folgen, da Candy Dulfer nur selten die Bühne verlies und somit für diesen Abend schon integraler Bestandteil der Band war. - Jetzt weiß ich übrigens auch, wo Stefan Gwildis sein Reinsprechen in die Songs her hat, um auf die Musiker an den Instrumenten hinzuweisen und ihr Solo anzukündigen.

(Sidekick: Ständig wurde am Sound und Unstimmigkeiten gearbeitet, denn ein ums andere Mal kam ein Roadie auf die Bühne und etwas zu verändern. Es schienen aber alle die Ruhe weg zu haben, denn was für mich eine Ablenkung bei Candy Dulfers Solo war, war wohl der normale Alltag auf der Bühne. Später übersah ich diese ‚Störungen’ dann auch geflissentlich …)

 

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Die für mich schönste und beste Phase des Konzertes begann mit cleaning windows und

days like this. Bei ersterem spielte die Band sehr befreit auf und schien auch z.T. zu improvisieren (Van the Man beendete den Song mit: „that’s it“) und auch days like this war eine tolle Version des an sich schon sehr schönen Songs, die so anders als der Studiotrack klang, aber dennoch gefiel; nicht nur wegen des heraus stechenden Saxophons. Der Song war viel zu schnell vorbei. Danach kramte er die alte Nummer Irish heartbeat heraus, bei der man gut mitleiden konnte. Anschließend nahm er das Tempo noch weiter heraus und brachte vom neuen Album die gefühlvolle Ballade what am I living for. Nach der flotteren Nummer playhouse (wieder mit einem Dulfer-Solo) wurde es gleich wieder ganz langsam und er gab eine tolle Version von Ray Charles’ I can't stop loving you zum Besten, bei dem sich die Backgroundsängerinnen auszeichnen konnten durch ihre tollen Harmonien. Erneut ein Tempowechsel für die bright side of the road, wo sich noch einmal alle ins Zeug legten und beinahe nahtlos zu precious time gelangten, welches wieder mit diversen Solis gespickt war (er lässt halt seine Band nicht zu kurz kommen) und auch der 60jährige richtig aus sich heraus kam.

 

Bei all in the game war wenig vom Originaltext übrige und für die Coverversion von shake your moneymaker ließ er sich noch einmal geh’n, bevor es zum Endspurt kam. Celtic New Year endete in the healing game und abschließend kam das unvermeidliche Buchstabierten.

In Gloria ging er von der Bühne, um noch schnell die Band vorzustellen; allerdings verstand man keinen einzigen Namen. Nach dem Outro war es dann soweit; die Fans applaudierten lautstark und forderten die ein oder andere Zugabe ein. Was es gab? Nix.

 

Fazit: Precious time is slipping away … ich hätte nicht gedacht, dann mich VM so begeistern kann. Nach der Devise talk is cheap hielt sich Van Morrison nicht lange mit Zwischenansagen auf, sondern ließ die Lieder für sich sprechen. Es klappte, denn die Zuschauer hatten die auf der Konzertkarte angekündigte magische Zeit.

Allein das unrühmliche Ende schmälerte den Abend. Man soll zwar aufhören, wenn der Zenit erreicht ist, aber dennoch fühlte ich mich etwas vor dem Kopf gestoßen. Er ging in Gloria von der Bühne rief halt noch irgendetwas ins Mikro (war die Bandvorstellung) und war dann weg. Einfach so, ohne Zugaben nach „nur“ 92 Minuten. Und das, obwohl die Stimmung im Saal sehr gut war und er doch so viele Lieder kennt! Zumal es schade war, dass er real real gone, eines meiner Lieblingsstücke, schon wieder aus dem Programm genommen hat, obwohl es ja noch z.B. in Chicago toll beim Publikum ankam (laut Review im Internet) und ich doch fest damit gerechnet hatte. Das brown eyed girl ist ja in Deutschland auch bekannt und gern gehört, so dass dieses eine weitere  Zugabenoption gewesen wäre.

Alles in allem aber ein schönes Konzert mit gut spielenden Musikern und er Anreiz für mich, mir noch die ein oder andere seiner CDs zuzulegen.

 

vollständige Setlist

00. boogie woogie country girl*

01. keep mediocrity at bay

02. stranded

03. laughing in the wind

04. magic time

05. your cheatin' heart

06. naked in the jungle

07. talk is cheap

08. cleaning windows

00. days like this

10. Irish heartbeat

11. what am I living for

12. playhouse

13. I can't stop loving you

14. bright side of the road

15. precious time

16. all in the game

17. shake your moneymaker

18. Celtic New Year >> the healing game

19. Gloria

 

l.j.

(lars@lonereviewer.de)

 

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